Magnesium und Körpergewicht: Was eine Metaanalyse von 28 Studien tatsächlich ergab
Magnesiumpräparate werden häufig zur Gewichtsregulierung vermarktet, basierend auf der Annahme, dass Magnesium als Cofaktor bei der Energieproduktion, dem Glukosestoffwechsel und der Insulinsignalisierung fungiert – allesamt Prozesse, die mit der Körperzusammensetzung in Zusammenhang stehen. Eine systematische Übersicht und Dosis-Wirkungs-Metaanalyse aus dem Jahr 2021 im „British Journal of Nutrition“ hatte sich zum Ziel gesetzt, diese Behauptung anhand der veröffentlichten klinischen Studien tatsächlich zu überprüfen, wobei 28 randomisierte kontrollierte Studien mit über 2.000 Teilnehmern zusammengefasst wurden. Die ehrliche Antwort, zu der die Studie gelangte, ist differenzierter, als es die meisten Werbetexte vermuten lassen – und es lohnt sich, sie zu verstehen, bevor man allein von Magnesium einen entscheidenden Effekt auf das Körpergewicht erwartet.
Warum Magnesium ein naheliegender Kandidat war
Magnesium ist das zweithäufigste intrazelluläre Mineral im Körper und ein unverzichtbarer Cofaktor für Hunderte von enzymatischen Reaktionen – Energieproduktion, oxidative Phosphorylierung, Glykolyse, Protein- und Nukleinsäuresynthese, Ionentransport und Zellsignalisierung hängen alle davon ab. Ein niedriger Magnesiumspiegel im Serum wurde in Beobachtungsstudien wiederholt mit einem höheren BMI, einem größeren Taillenumfang, erhöhtem Blutdruck und erhöhten Nüchterninsulinwerten in Verbindung gebracht, und Magnesiummangel ist weit verbreitet: Eine Zufuhr unterhalb der empfohlenen 310–420 mg/Tag ist in der modernen Ernährung, die arm an Vollkornprodukten, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten und dunklem Blattgemüse ist, weit verbreitet.
Was die Metaanalyse tatsächlich zeigte
Kein allgemeiner Effekt auf Gewicht, BMI oder Körperfett
Über alle zusammengefassten Studien hinweg – mit Dosierungen von 168 bis 625 mg/Tag und einer Dauer von 4 bis 48 Wochen – zeigte die Magnesiumergänzung in der Gesamtanalyse keinen statistisch signifikanten Effekt auf das Körpergewicht, den BMI oder den Körperfettanteil. Die Dosis-Wirkungs-Modellierung ergab keinen aussagekräftigen nichtlinearen Zusammenhang zwischen Dosierung oder Dauer und den anthropometrischen Endpunkten.
Ein echtes Signal: Taillenumfang bei Adipositas
Die einzige Untergruppe, in der sich ein Effekt bestätigte, war der Taillenumfang bei Teilnehmern mit Adipositas (BMI > 30 kg/m²): Zwölf Studien mit insgesamt 997 Teilnehmern zeigten eine signifikante Verringerung (gewichtete mittlere Differenz −2,09 cm, 95 %-KI −4,12 bis −0,07). Außerhalb dieser spezifischen Untergruppe gab es ebenfalls keinen signifikanten Effekt auf den Taillenumfang.
Warum der Effekt möglicherweise begrenzt ist
Die Autoren verweisen auf die bekannte Fähigkeit von Magnesium, im Darm unlösliche Seifen mit Nahrungsfettsäuren zu bilden, wodurch möglicherweise die Fettaufnahme verringert wird – ein Mechanismus, der bei Menschen mit höherer Ausgangs-Fettmasse und höherer Fettaufnahme plausiblerweise eine größere Rolle spielen würde, was mit dem für Adipositas spezifischen Befund übereinstimmt. Sie weisen zudem darauf hin, dass in den meisten Studien anthropometrische Veränderungen nur als sekundärer Endpunkt und nicht als primärer Endpunkt gemessen wurden und dass die umfassendere metabolische Rolle von Magnesium – als Cofaktor für Cholesterin-Acyltransferase und Lipoproteinlipase sowie seine Verbindung zur Insulinsensitivität und Glukoseaufnahme über GLUT-4 – besser belegt ist als jeglicher direkter Einfluss auf das Gewicht.
Fazit
Die Erkenntnisse aus klinischen Studien stützen eine Magnesiumergänzung nicht als allgemeines Mittel zur Gewichtsabnahme – in der untersuchten Gesamtpopulation zeigte sich kein signifikanter Effekt auf das Körpergewicht, den BMI oder den Körperfettanteil. Das einzige konsistente Ergebnis war eine moderate Verringerung des Taillenumfangs speziell bei Menschen mit Adipositas, was eine weitaus engere Aussage ist als „Magnesium hilft beim Abnehmen“. Die gut belegten Funktionen von Magnesium – Energiestoffwechsel, Nerven- und Muskelfunktion, Glukoseregulierung, Schlafqualität – bleiben die stichhaltigeren Gründe dafür, auf eine ausreichende Zufuhr zu achten, und nicht etwa ein anthropometrischer Effekt an sich.
Literaturverzeichnis
[1] Rafiee, M.; Ghavami, A.; Rashidian, A.; Hadi, A.; Askari, G. „Die Wirkung einer Magnesiumsupplementierung auf anthropometrische Indizes: eine systematische Übersicht und eine Dosis-Wirkungs-Metaanalyse klinischer Studien.“ Br. J. Nutr. 2021, 125, 644–656. https://doi.org/10.1017/S0007114520003037










