Löwenzahnwurzel und Lebergesundheit: Was 54 Studien über dieses traditionelle Entgiftungskraut aussagen
Löwenzahn – Taraxacum officinale, das gewöhnliche gelb blühende „Unkraut“ – wird seit Jahrhunderten traditionell als entgiftendes Kraut eingesetzt, insbesondere zur Unterstützung von Leber und Nieren. Eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 im „Bulletin of the National Research Centre“ durchforstete die wissenschaftliche Literatur und fasste 54 Studien zu einer strukturierten Zusammenfassung der tatsächlich nachgewiesenen Wirkungen in zwölf verschiedenen Kategorien medizinischer Eigenschaften zusammen.
Was steckt im Löwenzahn?
Die medizinischen Wirkstoffe der Pflanze stammen aus ihren Blüten, Blättern und Wurzeln und umfassen Carotinoide, Flavonoide (wie Quercetin), Phenolsäuren (Chlorogensäure, Chicorinsäure), das präbiotische Polysaccharid Inulin sowie mehrere Sesquiterpenlactone und Sterole, die für diese Gattung charakteristisch sind. Jeder Teil der Pflanze weist eine dokumentierte biologische Aktivität auf, was mit ein Grund dafür ist, dass Löwenzahn in einer so breiten Palette traditioneller Zubereitungen vorkommt.
Harntreibende Wirkung – die traditionelle Anwendung mit direkter wissenschaftlicher Untermauerung
Zu den frühesten untersuchten Daten aus Humanstudien gehört eine kontrollierte Studie, die ergab, dass ein Ethanolextrakt aus Löwenzahnblättern bei gesunden Probanden bereits nach einer Einzeldosis die Harnfrequenz und die Flüssigkeitsausscheidung erhöhte – ein direkter Beleg für die klassischste traditionelle Anwendung des Löwenzahns. Weitere Studien ergaben positive Auswirkungen auf die Prävention und Behandlung von Nierenerkrankungen, einschließlich Urolithiasis (Nierensteinbildung).
Leber schützende Wirkung – die am häufigsten berichtete Eigenschaft
Die leberschützende (hepatoprotektive) Wirkung war die am häufigsten dokumentierte Eigenschaft in den 54 Studien. Zu den Forschungsergebnissen zählen: zwei aus Löwenzahn isolierte Polysaccharide, die in einem Mausmodell eine durch Paracetamol verursachte Leberschädigung verhinderten; ein Blattextrakt, der eine leberschützende Wirkung gegen toxinbedingte Leberschäden zeigte; sowie ein Wurzelextrakt, der in Tiermodellen alkoholbedingte Leberschäden vorbeugte und behandelte. Mehrere unabhängige Studien, die übereinstimmend auf einen Leberschutz durch unterschiedliche Mechanismen hinweisen, sind ein deutlich stärkeres Signal als jede einzelne Studie für sich genommen.
Ergebnisse zu Verdauung und Stoffwechsel
Darm und Colitis
Löwenzahnwurzelextrakt zeigte sowohl in Zell- als auch in Tiermodellen eine therapeutische Wirkung gegen Kolitis; in einer Studie übertraf er ein gängiges entzündungshemmendes Medikament bei der Vorbeugung von Kolitis durch antioxidative und regenerative Mechanismen – und ein bestimmtes Löwenzahn-Polysaccharid linderte nachweislich die Symptome der Colitis ulcerosa.
Gewicht und Fettstoffwechsel
Mehrere Studien ergaben hypolipidämische (cholesterin-/fettsenkende) Wirkungen, sowohl in Tiermodellen als auch in vitro, und eine Studie zeigte, dass Löwenzahnextrakt die Pankreaslipase – ein Enzym, das an der Fettverdauung und -aufnahme beteiligt ist – hemmen kann, was in einem Mausmodell zu einem messbaren Anti-Adipositas-Effekt führte.
Antioxidative Wirkung – die am besten untersuchte Eigenschaft
Die antioxidative Wirkung verfügte über die umfangreichste Evidenzbasis aller untersuchten Eigenschaften (12 separate Studien), wobei Polyphenole und Polysaccharide aus Löwenzahn in mehreren unabhängigen Forschungsgruppen eine Radikalfängerwirkung zeigten – ein konsistentes Ergebnis, das sich durch eine wirklich große Anzahl von Studien zieht.
Fazit
Der Ruf des Löwenzahns als leberunterstützendes und entgiftendes Kraut wird durch fundierte Forschungsergebnisse gestützt – leberschützende, antioxidative und harntreibende Wirkungen sind die drei Eigenschaften, die in den 54 in dieser Übersicht zusammengestellten Studien am konsequentesten und wiederholtesten dokumentiert wurden. Der in der Übersichtsarbeit selbst geäußerte ehrliche Vorbehalt ist es wert, wiederholt zu werden: Der Großteil dieser Belege stammt aus Zell- und Tierstudien und nicht aus groß angelegten klinischen Studien am Menschen, und die Autoren fordern ausdrücklich weitere Forschung, um den traditionellen Ruf des Löwenzahns mit aussagekräftigeren Daten aus Studien am Menschen zu untermauern.
Literaturverzeichnis
[1] Di Napoli, A.; Zucchetti, P. „A comprehensive review of the benefits of Taraxacum officinale on human health.“ Bull. Natl. Res. Cent. 2021, 45, 110. https://doi.org/10.1186/s42269-021-00567-1 (Open Access)










