Spirulina für Sportler: Was eine systematische Übersichtsarbeit über die antioxidativen Wirkungen und Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit aussagt

Spirulina für Sportler: Was eine systematische Übersichtsarbeit über die antioxidativen Wirkungen und Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit aussagt

Arthrospira platensis – Spirulina – ist ein Nahrungsergänzungsmittel aus Blaualgen, dessen Wirksamkeit fast ausschließlich auf seinem hohen Gehalt an bioaktiven Verbindungen beruht: bis zu 65 % Protein, bezogen auf das Trockengewicht, sowie Phycocyanin, Beta-Carotin, Chlorophyll und andere antioxidative Pigmente. Es wird seit den 1960er Jahren als Nahrungsergänzungsmittel verwendet und soll – wie aus Erfahrungsberichten hervorgeht (die chinesischen und kubanischen Olympia-Mannschaften dienen dabei häufig als Referenz) – die sportliche Leistung fördern. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 in „Frontiers in Nutrition“ untersuchte das Thema genauer und fasste 13 kontrollierte Studien zusammen, um zu klären, wie sich Spirulina tatsächlich auf sportlich aktive Menschen auswirkt.

Was die Übersichtsarbeit abdeckte

Die Forscher sichteten 981 Studien und wählten schließlich 13 aus, die ihre Kriterien erfüllten: randomisierte Studien, in denen die Wirkung von Spirulina auf oxidativen Stress, Entzündungen, die Immunfunktion oder die Trainingsleistung bei Menschen untersucht wurde, die regelmäßig trainieren, wobei die Dosierung in den meisten Studien zwischen 1,5 und 7,5 g pro Tag über einen Zeitraum von 3 bis 8 Wochen lag (eine Studie dauerte 12 Wochen). Fünf Studien bezogen Leistungssportler ein; die übrigen betrafen trainierte oder untrainierte Personen, die ein strukturiertes Trainingsprogramm absolvierten.

Worauf die Beweislage tatsächlich hindeutet

Antioxidative Wirkungen: Real, aber uneinheitlich

Zwei Studien ergaben, dass Spirulina den Malondialdehyd-Spiegel (ein Marker für oxidative Lipidschäden) signifikant senkte und die Superoxiddismutase-Aktivität – eines der wichtigsten antioxidativen Enzyme des Körpers – erhöhte. Der Effekt war jedoch nicht universell: Bei Elite-Rugbyspielern oder Radfahrern mit einem ausreichenden Ausgangs-Ernährungsstatus zeigte er sich nicht, was darauf hindeutet, dass der antioxidative Nutzen von Spirulina vor allem für Menschen von Bedeutung sein könnte, deren Ernährung bereits einen Mangel an Antioxidantien aufweist, und nicht als universeller Leistungssteigerer.

Ein ergogener Effekt – für Ausdauer, nicht für Kraft

Das deutlichste Muster in der Übersichtsarbeit: Eine Spirulina-Supplementierung (6–7,5 g/Tag) verbesserte die Sauerstoffaufnahme, den Hämoglobinspiegel und die Ermüdungstoleranz bei submaximalen Ausdauerübungen bei Radfahrern und Läufern. Bei kraftbasierten Leistungen wie Sprinttests oder dem Vertikalsprung führte sie zu keiner Leistungssteigerung. Ein vorgeschlagener Wirkmechanismus ist der von Natur aus hohe, leicht resorbierbare Eisengehalt von Spirulina, der die Hämoglobinsynthese unterstützt, von der die Ausdauerleistung abhängt.

Regeneration und Immunfunktion: Noch nicht genügend Daten

Eine Studie an Elite-Rugbyspielern ergab, dass Spirulina die Erholung von Entzündungs- und Muskelschädigungsmarkern (CRP, Kreatinkinase) nach intensivem Training beschleunigte, doch die meisten anderen Studien fanden keinen positiven Effekt auf die Marker der Muskelregeneration. Immunologische Effekte wurden nur in einer einzigen Studie an Ruderern untersucht, wobei die Ergebnisse gemischt und nicht eindeutig waren. Die Übersichtsarbeit stellt ausdrücklich fest, dass die Belege für positive Auswirkungen von Spirulina auf das Immunsystem „nach wie vor spärlich“ sind und es verfrüht ist, Spirulina zu diesem Zweck zu empfehlen.

Fazit

Über 13 kontrollierte Studien hinweg ist die am besten begründete Aussage zu Spirulina bei Sportlern ein moderater ergogener Effekt bei submaximaler Ausdauerbelastung – bessere Sauerstoffaufnahme und Ermüdungstoleranz –, insbesondere bei Personen, die die empfohlene Antioxidantienzufuhr über die Ernährung noch nicht erreichen. Behauptungen bezüglich der Unterstützung des Immunsystems, der Muskelregeneration oder der Kraftleistung werden durch die derzeitige Studienlage nicht ausreichend gestützt, und die Übersichtsarbeit selbst fordert größere Studien von höherer Qualität (die meisten der 13 einbezogenen Studien wiesen ein hohes oder unklares Verzerrungspotenzial auf), bevor fundiertere Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Literaturverzeichnis
[1] Calella, P.; Cerullo, G.; Di Dio, M.; Liguori, F.; Di Onofrio, V.; Gallè, F.; Liguori, G. „Antioxidative, entzündungshemmende und immunmodulatorische Wirkungen von Spirulina bei körperlicher Betätigung und im Sport: Eine systematische Übersichtsarbeit.“ Front. Nutr. 2022, 9:1048258. https://doi.org/10.3389/fnut.2022.1048258 (Open Access)

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