Angelikawurzel und Darmgesundheit: Was die Forschung über die Verdauung und die antioxidative Wirkung sagt
Angelica ist eine große Gattung aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) – derselben botanischen Familie wie Fenchel, Petersilie und Sellerie –, deren Dutzende Arten in der traditionellen Medizin Asiens, Europas und Nordamerikas verwendet werden. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift „Molecules“ fasste die veröffentlichten Forschungsergebnisse zu dieser Gattung zusammen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Angelica dahurica (in der chinesischen Medizin als „Bai Zhi“ bekannt) lag und deren Phytochemie sowie biologische Wirkungen anhand von Studien seit dem Jahr 2000 beleuchtet wurden.
Eine lange Geschichte als Verdauungskraut
In der traditionellen chinesischen, koreanischen und japanischen Medizin wird die Wurzel von Angelica dahurica seit langem bei Darmerkrankungen – darunter Durchfall, Ruhr und chronische Colitis ulcerosa – sowie bei Kopfschmerzen, Erkältungen und Hauterkrankungen eingesetzt. Angelica sinensis (Dong Quai), eine verwandte und ebenso gut erforschte Art, wird traditionell zur Regulierung der Verdauung eingesetzt und soll insbesondere dabei helfen, „den Darm bei Verstopfung zu entspannen“.
Was die Forschung hinzufügt
Auswirkungen auf die Darmflora
Ein aus A. dahurica isoliertes Polysaccharid wurde direkt an der Darmmikrobiota getestet: Mäuse, denen 21 Tage lang täglich 200 mg/kg verabreicht wurden, zeigten messbare Veränderungen in der mikrobiellen Zusammensetzung und Struktur des Stuhls, was die Forscher dazu veranlasste, das Polysaccharid als potenzielles Präbiotikum zu bezeichnen – eine Verbindung, die nützliche Darmbakterien ernährt und fördert, anstatt selbst als Medikament zu wirken.
Krampflösende Wirkung
Ligustilid und verwandte Phthalidverbindungen, die in Angelica-Wurzeln vorkommen, zeigten eine krampflösende Wirkung gegen Kontraktionen der glatten Muskulatur – einschließlich der Gebärmutter und, was hier relevant ist, der glatten Darmmuskulatur – durch einen Mechanismus, den die Forscher als unspezifisch und von Papaverin, einem Referenzmedikament zur Krampflösung, unterscheidbar beschreiben. Dies steht im Einklang mit der traditionellen Verwendung von Angelika bei Verdauungsbeschwerden und Krämpfen.
Antioxidative Wirkung
Wässrige und ethanolische Extrakte der A. dahurica-Wurzel fingen DPPH- und ABTS-freie Radikale bereits in niedrigen Konzentrationen ab (IC₅₀ von nur 0,13–0,32 mg/ml) und hemmten die Stickstoffmonoxid-Produktion in Immunzellen, die bakteriellen Toxinen ausgesetzt waren – ein Marker für eine verminderte Entzündungssignalübertragung — und zeigten in derselben Studie zudem eine starke Reduktionskraft sowie Schutz vor DNA-Schäden.
Weitere Erkenntnisse
Die Übersichtsarbeit dokumentiert zudem antimikrobielle Aktivität gegen mehrere für den Darm relevante Bakterienarten, leberschützende Wirkungen in Tiermodellen für arzneimittelinduzierte Leberschäden sowie — durch ein hochmolekulares Polysaccharid, das aus der verwandten Art A. sinensis isoliert wurde — immunstimulierende Aktivität, die zum Teil mit dem natürlichen Gehalt der Pflanze an Vitamin B12, Folinsäure und Biotin zusammenhängt.
Fazit
Die Belege für die Angelikawurzel konzentrieren sich auf drei sich ergänzende Mechanismen, die für die Verdauungsgesundheit relevant sind: eine präbiotisch-ähnliche Wirkung auf die Zusammensetzung der Darmflora, eine echte krampflösende Wirkung auf die glatte Darmmuskulatur und eine starke antioxidative Kapazität, die ihre lange traditionelle Verwendung bei Verdauungsbeschwerden miterklärt. Der Großteil der belegenden Daten stammt aus Zell- und Tierstudien und nicht aus klinischen Studien am Menschen, was typisch für ein pflanzliches Mittel mit einer so langen traditionellen Verwendungsgeschichte und einer noch relativ jungen wissenschaftlichen Forschungsgrundlage ist.
Literaturverzeichnis
[1] Batiha, G.E.-S.; Shaheen, H.M.; Elhawary, E.A.; Mostafa, N.M.; Eldahshan, O.A.; Sabatier, J.-M. „Phytochemische Bestandteile, volkstümliche medizinische Anwendungen und biologische Wirkungen der Gattung Angelica: Eine Übersicht.“ Molecules 2023, 28, 267. https://doi.org/10.3390/molecules28010267 (Open Access)










