Chrom und Gewichtsmanagement: Was eine Metaanalyse von 21 Studien ergab
Chrom (genauer gesagt Chrom(III) oder dreiwertiges Chrom) wird intensiv als Hilfsmittel zur Gewichtsregulierung vermarktet, basierend auf der Theorie, dass es die Wirkung von Insulin bei der Blutzuckerkontrolle unterstützt – und damit auch die Appetitregulierung, den Fettstoffwechsel und den Energieverbrauch. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 in der Fachzeitschrift „Clinical Obesity“ fasste 21 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.316 Teilnehmern zusammen, um diese Behauptung speziell bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas zu überprüfen und dabei die Einschränkungen früherer Metaanalysen zu diesem Thema zu aktualisieren und zu korrigieren.
Was Chrom vermutlich bewirkt
Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt, doch es wird angenommen, dass Chrom eine Rolle im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel spielt, indem es die Wirkung von Insulin bei der Blutzuckerkontrolle unterstützt. Es wird aufgrund seiner angeblichen Fähigkeit vermarktet, das Essverhalten und Heißhungerattacken zu regulieren, den Appetit zu zügeln, die Thermogenese anzuregen, den Energieverbrauch im Ruhezustand zu steigern und die Insulinsensitivität zu verbessern – wobei in der Übersichtsarbeit ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass diese Rolle zu Beginn der Analyse „weiterhin fraglich“ ist.
Was die Metaanalyse ergab
Signifikante, aber moderate Reduzierungen
Über alle zusammengefassten Studien hinweg war die Chrom-Supplementierung mit statistisch signifikanten Reduktionen des Körpergewichts (gewichtete mittlere Differenz −0,75 kg), des BMI (−0,40 kg/m²) und des Körperfettanteils (−0,68 %) im Vergleich zur Kontrollgruppe verbunden, bei der keine signifikante Veränderung festzustellen war. Die Effektstärke für diese Endpunkte wurde als mittel eingestuft.
Zeitpunkt und Dosierung spielten eine Rolle
Eine Subgruppenanalyse ergab, dass die Verbesserungen bei Gewichtsabnahme und Körperfettanteil in Studien mit einer Dauer von 12 Wochen oder weniger und bei Dosierungen von 400 mcg/Tag oder weniger signifikant stärker ausfielen. Das ist ein deutlich anderes Bild als „mehr Chrom, längere Einnahme, größere Wirkung“ – die Daten deuten sowohl hinsichtlich der Dosis als auch der Dauer tatsächlich in die entgegengesetzte Richtung.
Die Studienpopulation war heterogen
Von den 21 Studien wurden 12 an Menschen mit Übergewicht bzw. Adipositas im Allgemeinen und 7 speziell an Menschen mit Typ-2-Diabetes durchgeführt. In den verschiedenen Studien wurden unterschiedliche Chromformen verwendet – Picolinat, Nicotinat und mit Chrom angereicherte Hefe – und die Metaanalyse weist darauf hin, dass diese Heterogenität ein Faktor ist, den zukünftige, gezieltere Forschungsarbeiten (insbesondere bei Diabetikern) berücksichtigen sollten.
Das Fazit
Die Metaanalyse ergab einen echten, statistisch signifikanten Effekt einer Chrom-Supplementierung auf das Gewicht, den BMI und den Körperfettanteil bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas – doch die Zusammenfassung der Übersichtsarbeit selbst ist vorsichtig und zurückhaltend: „Die klinische Relevanz von Chrom als Hilfsmittel zur Gewichtsabnahme bleibt ungewiss.“ Eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von einem halben bis zu einem Kilogramm über einen Zeitraum von 12 Wochen ist ein echter, aber bescheidener Effekt, kein dramatischer, und die stärksten Ergebnisse wurden bei moderaten Dosen (≤ 400 mcg/Tag) über kürzere Versuchszeiträume beobachtet und nicht bei höheren Dosen oder längerer Einnahme.
Literaturverzeichnis
[1] Tsang, C.; Taghizadeh, M.; Aghabagheri, E.; Asemi, Z.; Jafarnejad, S. „Eine Metaanalyse zur Wirkung einer Chrom-Supplementierung auf anthropometrische Indizes bei Probanden mit Übergewicht oder Adipositas.“ Clin. Obes. 2019, 9, e12313. https://doi.org/10.1111/cob.12313










