Präbiotika und Probiotika: Was die Forschung über die Darm-Hirn-Achse zeigt

Präbiotika und Probiotika: Was die Forschung über die Darm-Hirn-Achse zeigt

Probiotika sind lebende Bakterien, die bei Verzehr in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen bieten; Präbiotika sind unverdauliche Verbindungen – meist Ballaststoffe –, die die bereits im Darm lebenden nützlichen Bakterien ernähren und unterstützen. Eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 in der Fachzeitschrift „Nutrients“ sowie eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 in „BMJ Nutrition, Prevention & Health“, die sich speziell mit der Darm-Hirn-Verbindung befasste, geben gemeinsam Aufschluss darüber, welche Funktionen diese beiden Kategorien tatsächlich erfüllen – und wo die Evidenz am stärksten ist.

Wie Prebiotika und Probiotika mechanistisch wirken

Kombinationen aus Probiotika und Präbiotika (manchmal auch als Synbiotika bezeichnet) können die Synthese von Metaboliten regulieren, die Integrität der Darmbarriere verbessern und die Zusammensetzung der Darmmikrobiota auf Weise verändern, die für die Stoffwechselgesundheit von Bedeutung ist. Zu den dokumentierten Vorteilen zählen eine verbesserte Immunfunktion, eine Verringerung der Symptomschwere bei entzündlichen Darmerkrankungen, eine Verringerung der Schwere allergischer Erkrankungen sowie antibakterielle und entzündungshemmende Wirkungen – eine breite, aber mechanistisch fundierte Reihe von Wirksamkeitsaussagen, nicht nur eine einzige.

Die Darm-Hirn-Achse: Ein reales, bidirektionales System

Es besteht eine gut erforschte bidirektionale Beziehung zwischen dem Zentralnervensystem und dem Magen-Darm-Trakt, die als Darm-Hirn-Achse (GBA) bezeichnet wird. Diese Verbindung funktioniert über mehrere identifizierte Mechanismen: den Vagusnerv (Bestandteile von Darmbakterien können die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine auslösen, die über eine vagale Stimulation die neuronale Physiologie beeinflussen), direkte Signalmoleküle (von Darmbakterien produzierte Zytokine können die Blut-Hirn-Schranke überwinden) sowie metabolische „Wechselwirkungen“ – kurzkettige Fettsäuren, die von Darmbakterien bei der Fermentierung von Ballaststoffen gebildet werden, können die Ausschüttung von Darmhormonen auslösen, die Auswirkungen auf das Gehirn und das Verhalten haben.

Was die Erkenntnisse aus klinischen Studien zeigen

Die systematische Übersicht aus dem Jahr 2020 untersuchte speziell prä- und probiotische Interventionen bei Erwachsenen mit einer klinischen Diagnose von Angstzuständen und/oder Depressionen und reduzierte dabei die Anzahl der 3.098 Datensätze auf 7 qualifizierte Studien. Das wichtigste Ergebnis: Jede der sieben einbezogenen Studien zeigte eine signifikante, quantitativ nachweisbare Verbesserung bei einem oder mehreren Endpunkten, die die Wirkung der Einnahme von Probiotika oder einer kombinierten präbiotisch-probiotischen Behandlung maßen – dies galt unabhängig davon, welcher spezifische Bakterienstamm verwendet wurde, wobei Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei und Bifidobacterium bifidum die in den Studien am häufigsten getesteten Stämme waren.

Ein wichtiger Vorbehalt

Die isolierte präbiotische Therapie allein, die in einer geringeren Anzahl von Studien untersucht wurde, führte zu Ergebnissen, die statistisch nicht signifikant waren – die signifikanten Verbesserungen standen speziell im Zusammenhang mit probiotischen oder kombinierten präbiotisch-probiotischen Interventionen, nicht mit isoliert eingesetzten Präbiotika. Die Übersichtsarbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass dies eine echte Einschränkung hinsichtlich der Übertragbarkeit der Erkenntnisse aus Studien mit reinen Präbiotika darstellt.

Warum es sich hierbei nicht nur um eine Behauptung bezüglich der Stimmung handelt

Die untersuchten Studien verwendeten echte klinische Messinstrumente – die Hamilton-Depressionsskala, das Beck-Depressions-Inventar sowie biochemische Marker wie Cortisol, entzündliche Zytokine (IL-6, TNF-α) und das Tryptophan-Kynurenin-Verhältnis (ein Stoffwechselweg, der mit der Serotoninproduktion in Verbindung steht) – und nicht nur Fragebögen zur Stimmungslage, die auf Selbstauskünften basieren. Diese Kombination aus klinisch-psychiatrischen Skalen und messbaren biochemischen Parametern verleiht dieser Forschung mehr Gewicht als einer allgemeinen Behauptung, dass „die Darmgesundheit die Stimmung beeinflusst“.

Das Fazit

Die Belege dafür, dass Probiotika – sowie kombinierte präbiotisch-probiotische Präparate – die psychische Gesundheit bei Menschen mit klinisch diagnostizierten Angstzuständen oder Depressionen fördern, sind in allen sieben Studien der entsprechenden systematischen Übersichtsarbeit konsistent, was für eine ernährungsbezogene Intervention ein wirklich bemerkenswertes Maß an Übereinstimmung darstellt. Prebiotika allein zeigen in diesem spezifischen Kontext eine weniger eindeutige Wirkung. Beide Übersichtsarbeiten betonen ausdrücklich, dass es sich hierbei noch um ein aufstrebendes Forschungsgebiet handelt – die Schlussfolgerung der Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 fordert weitere Untersuchungen dazu, ob die Wirkungen langfristig anhalten und welche Bevölkerungsgruppen am meisten davon profitieren, anstatt die aktuellen Erkenntnisse als endgültig zu betrachten.

Literaturverzeichnis
[1] Al-Habsi, N.; Al-Khalili, M.; Haque, S.A.; Elias, M.; Al Olqi, N.; Al Uraimi, T. „Health Benefits of Prebiotics, Probiotics, Synbiotics, and Postbiotics.“ Nutrients 2024, 16, 3955. https://doi.org/10.3390/nu16223955 (Open Access)
[2] Noonan, S.; Zaveri, M.; Macaninch, E.; Martyn, K. „Ernährung und Stimmung: Eine Übersicht über ergänzende präbiotische und probiotische Interventionen bei der Behandlung von Angstzuständen und Depressionen bei Erwachsenen.“ BMJ Nutr. Prev. Health 2020, 3, e000053. https://doi.org/10.1136/bmjnph-2019-000053 (Open Access)

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