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Lutein und Zeaxanthin: Was klinische Studien über Augengesundheit und Makuladegeneration zeigen

Die Netzhaut ist eines der stoffwechselaktivsten Gewebe des Körpers und reichert selektiv nur drei der Dutzenden Carotinoide an, die in der menschlichen Ernährung vorkommen: Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin. Diese selektive Konzentration – 80–90 % aller Carotinoide in der menschlichen Netzhaut entfallen auf diese drei, im Vergleich zu einer wesentlich breiteren Zusammensetzung im Blutserum – hat zwei Jahrzehnte klinischer Forschung darüber vorangetrieben, welche Rolle sie tatsächlich für das Sehvermögen spielen, wie in einem Übersichtsartikel im „Journal of Ophthalmology“ zusammengefasst.

Warum das Auge gerade diese spezifischen Carotinoide anreichert

Lutein und Zeaxanthin filtern hochenergetisches, kurzwelliges blaues Licht, bevor es die lichtempfindliche Photorezeptorschicht erreicht, und schützen so die Netzhaut vor photochemischen Schäden. Zudem sind sie starke Antioxidantien – die äußeren Segmente der Netzhaut sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie DHA, die sehr anfällig für oxidative Schäden durch Lichteinwirkung sind, und Lutein sowie Zeaxanthin neutralisieren die dadurch entstehenden reaktiven Sauerstoffspezies. Funktionell wurden höhere Makulapigmentkonzentrationen mit einer verbesserten Sehschärfe, geringeren Beschwerden durch Blendung und einer schnelleren Erholung des Sehvermögens nach Exposition gegenüber hellem Licht (Erholung nach Lichtstress) in Verbindung gebracht.

Was die Beobachtungsdaten zeigen

Eine Metaanalyse von sechs Längsschnitt-Kohortenstudien ergab, dass eine höhere Aufnahme von Lutein und Zeaxanthin über die Nahrung mit einer 26-prozentigen Verringerung des Risikos für eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) im Spätstadium und einer 32-prozentigen Verringerung speziell für die neovaskuläre AMD – die schwerwiegendere, das Sehvermögen bedrohende Form – verbunden war. Die Blue-Mountain-Augenstudie ergab separat ein um 65 % verringertes Risiko für neovaskuläre AMD beim Vergleich der Gruppen mit der höchsten bzw. der niedrigsten Carotinoidaufnahme.

Ergebnisse der wichtigsten klinischen Studien

AREDS2: Die größte Studie

Die Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) begleitete 4.203 Teilnehmer mit intermediärer AMD oder großen Drusen in einem Auge und fortgeschrittener AMD im anderen Auge über einen Zeitraum von etwa 5 Jahren. Eine Sekundäranalyse, in der speziell Lutein/Zeaxanthin (L/Z) mit keiner L/Z-Gabe verglichen wurde, ergab, dass die Entwicklung einer späten AMD in der L/Z-Gruppe signifikant verringert war (Risikoverhältnis 0,90, p = 0,04) — und eine weitere Analyse ergab, dass L/Z eine stärkere Schutzwirkung hatte als Beta-Carotin, den Inhaltsstoff, den es in dem neu formulierten Nahrungsergänzungsmittel potenziell ersetzen sollte.

Kleinere Studien liefern übereinstimmende Details

Die LAST-Studie (90 Patienten mit trockener AMD und geografischer Atrophie) ergab, dass eine Lutein-Supplementierung – allein oder in Kombination mit anderen Nährstoffen – über einen Zeitraum von 12 Monaten das Makulapigment signifikant erhöhte, die Sehschärfe verbesserte und die Kontrastempfindlichkeit steigerte – das Fortschreiten der Erkrankung wurde während des Studienzeitraums aufgehalten. Eine Metaanalyse von sieben randomisierten Studien ergab, dass vier davon einen signifikanten Anstieg der Sehschärfe durch die Supplementierung zeigten, wobei die Wirkung bei höheren Dosierungen stärker ausfiel.

Ein Hinweis zum Zeitpunkt

Mehrere Studien ergaben, dass das Makulapigment durch die Nahrungsergänzung relativ früh zunahm (bereits nach 24 Wochen), Verbesserungen der Sehschärfe und der Kontrastempfindlichkeit jedoch erst viel später statistisch signifikant wurden – in einer Studie erst nach 48 Wochen –, was darauf hindeutet, dass sich die Vorteile für die Sehfunktion allmählich und nicht gleichzeitig mit dem strukturellen Anstieg des Makulapigments entwickeln.

Über AMD hinaus: Katarakte und andere Retinopathien

Mehrere große Beobachtungsstudien ergaben ein verringertes Katarakt-Risiko bei höherer Lutein- und Zeaxanthin-Zufuhr – eine 10-jährige prospektive Studie mit 35.551 Frauen ergab ein um 18 % geringeres Katarakt-Risiko im Quintil mit der höchsten Zufuhr. Erste Erkenntnisse bei Frühgeborenen deuten ebenfalls auf eine Rolle der Carotinoid-Supplementierung bei der Frühgeborenen-Retinopathie und der diabetischen Retinopathie hin, obwohl in der Übersichtsarbeit angemerkt wird, dass diese Forschungsgrundlage erheblich kleiner und weniger schlüssig ist als die Evidenz zur AMD.

Fazit

Die Rolle von Lutein und Zeaxanthin für die Augengesundheit geht weit über einen bloßen beobachteten Zusammenhang hinaus – große randomisierte Studien, insbesondere AREDS2, liefern wirklich starke Belege dafür, dass eine Supplementierung das Makulapigment erhöht, die Sehfunktion verbessert und das Risiko für das Fortschreiten zur späten AMD, insbesondere der neovaskulären Form, verringert. Die Schlussfolgerung der Übersichtsarbeit selbst ist zurückhaltend: Diese Evidenzbasis gehört zu den ausgereiftesten in der Ernährungsophthalmologie, auch wenn die optimale Dosierung und der spezifische Mehrwert von Meso-Zeaxanthin nach wie vor aktive Forschungsbereiche sind.

Literaturverzeichnis
[1] Scripsema, N.K.; Hu, D.-N.; Rosen, R.B. „Lutein, Zeaxanthin und Meso-Zeaxanthin in der klinischen Behandlung von Augenerkrankungen.“ J. Ophthalmol. 2015, 2015, 865179. https://doi.org/10.1155/2015/865179 (Open Access)

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