Zink entspricht nicht der klassischen Definition eines Antioxidans – chemisch gesehen handelt es sich um ein redox-inertes Ion, das freie Radikale nicht direkt neutralisieren kann, wie es beispielsweise Vitamin C oder E tun. Dennoch zeigen jahrzehntelange Forschungsergebnisse, dass es sich dennoch wie ein Antioxidans verhält, und zwar durch indirekte Mechanismen, die Forscher als „pro-antioxidativ“ bezeichnen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 in der Fachzeitschrift „Antioxidants“ legt genau dar, wie Zink dies bewerkstelligt und was passiert, wenn der Körper nicht genug davon hat.
Wie ein „inertes“ Mineral wie ein Antioxidans wirkt
Der Übersichtsartikel identifiziert drei Mechanismen: Zink schützt freie Sulfhydrylgruppen in Proteinen vor oxidativen Schäden, es konkurriert mit redoxaktiven Metallen (wie Eisen und Kupfer), die andernfalls schädliche oxidative Reaktionen katalysieren würden, und es induziert gezielt die körpereigenen Antioxidans-Reaktionssysteme. Dieser dritte Mechanismus ist am besten erforscht – Zink reguliert eine Reihe von zinkbindenden Transkriptionsfaktoren und Proteinen, darunter NF-κB, Nrf2 und Metallothionein, die gemeinsam steuern, wie Zellen auf oxidativen Stress und Entzündungen reagieren.
Die Abhängigkeit des Immunsystems von Zink
Zink ist an der Aktivierung von mehr als 300 Enzymen beteiligt und stabilisiert die Struktur von über 300 Proteinen, darunter Zinkfingerproteine, die für die Genexpression bei Wachstumsfaktoren, Steroidrezeptoren und Immunmediatoren von zentraler Bedeutung sind. Speziell im Immunsystem beeinträchtigt ein Zinkmangel nachweislich die Funktion von T-Zellen, B-Zellen und natürlichen Killerzellen – einschließlich einer verminderten Produktion von Interleukin-2 und Interferon-γ, zwei Signalmolekülen, die für die Koordination von Immunreaktionen von zentraler Bedeutung sind. Dies ist kein subtiler Effekt: Personen mit Zinkmangel zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für Pilz-, Bakterien- und Virusinfektionen, eine Thymusatrophie sowie eine verminderte Aktivität von Thymulin, einem Hormon, das zur Reifung von T-Zellen beiträgt.
Wie verbreitet ist ein Mangel?
In Entwicklungsländern ist der ernährungsbedingte Zinkmangel erheblich – eine Studie ergab einen Mangel bei etwa 43 % der 3- bis 5-jährigen Kinder in Südafrika, eine andere bei etwa 20 % der Kinder im Alter von 6 Monaten bis 12 Jahren im Iran. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Entwicklungsregionen: Schätzungsweise 30–40 % der älteren Erwachsenen in den Vereinigten Staaten leiden unter einem leichten bis mittelschweren Zinkmangel, der mit Veränderungen in der Ernährung, im Lebensstil und mit altersbedingten Gesundheitsproblemen zusammenhängt. Es hat sich gezeigt, dass eine Zinkergänzung bei diesen Bevölkerungsgruppen den Zinkstatus und den Gesundheitszustand verbessert, einschließlich einer nachgewiesenen Senkung der Infektionsraten.
Zink und das Risiko chronischer Erkrankungen
Oxidativer Stress, der durch ein Ungleichgewicht zwischen der Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und den antioxidativen Abwehrmechanismen des Körpers entsteht, wird mit einer Vielzahl chronisch-degenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht – darunter Diabetes, Herzerkrankungen, Krebs, alkoholbedingte Lebererkrankungen, Makuladegeneration und Neurodegeneration. Studien am Menschen zeigen durchweg, dass Zinkmangel mit erhöhten Biomarkern für oxidativen Stress (Lipidperoxidation und DNA-Oxidationsprodukte) assoziiert ist und dass eine Zinkergänzung diese Marker messbar unterdrückt oder reduziert – ein direkter Beweis, der die praktische Rolle von Zink als Mittel gegen oxidativen Stress untermauert und nicht nur eine theoretische ist.
Fazit
Der Ruf von Zink als Antioxidans ist mechanistisch gut belegt, obwohl es kein klassischer Radikalfänger ist – es wirkt, indem es Proteine schützt, schädliche Metalle verdrängt und die körpereigenen antioxidativen Genprogramme (NF-κB, Nrf2, Metallothionein) aktiviert. Seine Rolle für die Immunfunktion ist sogar noch direkter: Ein Zinkmangel beeinträchtigt nachweislich bestimmte Funktionen der Immunzellen, und es handelt sich hierbei um einen wirklich weit verbreiteten Mangel – keinen seltenen Sonderfall –, der sowohl bei Kindern in Entwicklungsländern als auch bei älteren Menschen in wohlhabenden Ländern auftritt.
Literaturverzeichnis
[1] Prasad, A.S.; Bao, B. „Molecular Mechanisms of Zinc as a Pro-Antioxidant Mediator: Clinical Therapeutic Implications.“ Antioxidants 2019, 8, 164. https://doi.org/10.3390/antiox8060164 (Open Access)











